Zurück in der Heimat – Zusammenfassung meiner Erfahrungen

Hallo ihr Lieben,

Ein letztes mal möchte ich einen abschließenden Post verfassen.

Ich habe seitdem ich in Kapstadt war noch sehr sehr viel erlebt. Ich habe noch weitere 3 Wochen mit meiner Gastfamilie in Plett verbracht und konnte anschließend eine Safari genießen.

Meine lange Reise hat in Washington geendet, wobei wir auch in Staaten noch viel erlebt haben. Aber dazu auch noch mehr in meinem Vortrag.

Ich habe nämlich, nachdem ich mich 5 ganze Tage wieder in Hamburg einleben konnte direkt einen Vortrag gehalten. In diesem Vortrag beschreibe ich meine Erlebnisse und versuche zu erklären in wie fern mich diese beeinflusst haben und zum Nachdenken gebracht haben. Auch das Publikum hatte nach dem Vortrag noch viele Fragen, also falls ihr irgendwo nochmal nachhaken wollt oder eventuell selber daran interessiert seit was Thinking Beyond Borders noch so anbietet könnt ihr mich immer gerne kontaktieren.

Ich habe die Erlebnisse der letzten 7 Monate immer noch nicht ganz verarbeitet und ich denke, das es auch noch ein wenig dauern wird. Es ist komisch und zugleich schön wieder Zuhause zu sein. Ich vermisse meine TBB Freunde bin aber auch froh endlich meine Freunde und Familie aus Hamburg wieder zu haben. Wie ihr seht also sehr gemischte Gefühle. Mal sehen wo es mich jetzt als nächstes hinverschlägt. Ich bin selbst gespannt. Ich hoffe euch gefällt der Vortrag.

Jetzt heißt es nicht mehr bis bald, sondern aus Wiedersehen.

Eure Julia

In sieben Monaten um die Welt

In sieben Monaten um die Welt – von dieser einzigartigen Erfahrung möchte ich Ihnen heute berichten. Mein Name ist Julia Wünsche, ich bin 19 Jahre alt, habe im Sommer 2015 mein Abitur am Gymnasium Christianeum hier in Hamburg abgelegt. Am Montag bin ich von der bisher aufregendsten Reise meines Lebens zurückgekommen.

Heutzutage ist es ja nicht ungewöhnlich, nach dem Abitur ein paar Monate zu reisen und die Welt zu entdecken. Sicherlich kennen einige von Ihnen das von den eigenen Kindern. Ich wollte ganz bewusst, die Welt, die ich bisher kannte mit allem Komfort hinter mir lassen, und die Teile der Welt sehen, die gelegentlich in den Nachrichten auftauchen – und dabei fast nie in guten. Ich wollte Entwicklungsländer kennenlernen – und zwar nicht als Touristin, sondern als Gast, mittendrin, unter gleichen Bedingung. Es gibt verschiedene Organisationen, die solche Projekte anbieten. Entschieden habe ich mich letztlich für das so genannte „Global Gap Year“ der amerikanischen Non-profit-Organisation „Thinking Beyond Borders“.

Und so sieht ein „Global Gap Year“ aus: Zusammen mit 15 jungen Leuten aus Amerika und drei Teamleitern sind wir in 7 verschiedene Länder gereist. Unser gewohntes Leben aus Amerika oder Europa haben wir für sieben Monate komplett hinter uns gelassen – dafür haben die strengen Regeln gesorgt: kein Handy, kein Internet, kein Alkohol, und keine intimen Kontakte (außerhalb der Gruppe).

Das Program besteht aus drei Hauptkomponenten: Die erste Komponente ist das Leben und Arbeiten in den Gastgemeinschaften. Der zweite Schwerpunkt ist akademisch. Wir hatten während unser Reise regelmäßig Seminare. Diese sollten dazu dienen unsere Erfahrungen, mit unserem bisherigen Wissen und neu angeeigneten Artikeln und Büchern zu verknüpfen. Diesen Lehrstil nannten wir „experiential learning“.  Wir haben uns Fragen zu unserer persönlichen Entwicklung gestellt: „Who Am I?“. Wir haben uns während der gesamten Reise immer wieder gefragt „What is Development?“ und wir haben in den Seminaren kritische Fragen zu den jeweiligen Projekten an denen wir gearbeitet haben und Gemeinschaften in denen wir gelebt haben, gestellt.  Zuletzt sollte ein Spaßteil nicht fehlen. Zwischen unseren Projekten sind wir immer für eine Woche an neue Orte und in Länder gereist um dort die spannendsten und beeindruckendsten Kulturgüter der Welt zu besichtigen.

Es war eine Zeit, die mich sehr bereichert hat – aber auch eine Zeit, die viele Fragen aufgeworfen hat. Ich freue mich über die Gelegenheit, heute ein paar meiner Gedanken mit Ihnen teilen zu dürfen, indem ich von den Stationen meiner ungewöhnlichen Reise berichte.

Ecuador

Unsere erste Stationen war Ecuador. Wir haben an einem Projekt gearbeitet, dass sich die Aufforstung der Regenwälder zur Aufgabe gemacht hat und damit für nachhaltigen Umweltschutz sorgt. Dies war auch der Inhalt unserer Seminare. Nachhaltige Umwelt. Die essentielle Frage über die wir uns Gedanken gemacht haben war „What does it mean to be „environmentally responsible“?“

Wir haben in unserer Zeit in Ecuador daher 4.000 Bäume auf dem Land unserer Gastfamilien gepflanzt. Das Projekt hat Spaß gemacht was ich jedoch am meisten aus diesem Land mitgenommen habe, war das Leben mit dem eingeborenen Stamm, den Tsa’chilas.

Das Leben mit den Tsa’chilas war anderes als alles, was ich in meinem bisherigen Leben kennengelernt hatte. Diese Menschen leben erst seit 85 Jahren in der Zivilisation, vorher waren sie im Dschungel im Westen Ecuadors zu Hause. Küche. Schlafzimmer. Wir hatten kein fließendes Wasser. Das Wasser kam aus dem  Fluß. Toilette draußen. Toilette drinnen. Meine „Dusche“. Mitbewohner. Tiere und Menschen.

Im Regenwald zu leben bedeutet sich mit völlig anderen Problemen auseinander setzten zu müssen, als bei uns.

Ich habe mich noch nie damit beschäftigt mein zu Hause zu verlieren, weil der Ort an dem ich wohne durch Abholzung gefährdet ist. Oder ich bestimmte Gesetzt über meine Eigentumsrechte nicht kenne bzw. missverstehe und mir dadurch mein Stück Land weggenommen werden kann. Ich habe mich auch noch nie damit beschäftigt, dass meine Kultur von anderen als mindere Kultur angesehen wird und dadurch von diesen stärkeren Kulturen dominiert bzw. verdrängt wird.

Viele Dinge waren wesentlich komplizierter, als ich vorher gedacht hatte.

Durch die politische Situation, die von Globalisierung geprägt ist, ist es für Tsa’chilas schwer ihre eigene Kultur zu bewahren. Sie sind sehr stolz auf ihre Traditionen und ihre Identität, aber es ist sehr schwierig sich diese in einer schnelllebigen Welt zu erhalten.

Mir wurde z.B. klar, dass sie langsam ihre Sprache Tsa’fiki verlieren.

Es gibt noch ca. 2500 Tsachillas, aber wieviele von ihnen sind Lehrer, die die Kinder auf Tsa’fiki unterrichten können? Jeglicher Kontakt außerhalb des Stammes findet in Spanisch statt.

Damit Tsa’fiki nicht ganz verloren geht, ist es als Pflichtfach vor einigen Jahren in der kleinen Schule in Bua eingeführt worden.

Eine weitere Besonderheit dieser Kultur ist ihr Verhältnis zu Zahlen. Sie haben nämlich kaum eins. So war der Mann,  Fausto, denn sie eben im Video gesehen haben, an einem Tag 48 und am nächsten Tag 57 Jahre alt.

Dies sind natürlich Dinge, die zu ihrer Kultur dazu gehören aber den Kontakt zur Außenwelt erheblich erschweren. Dieser Kontakt ist aber wichtig, damit sie sich ihren Lebensraum erhalten können.

Die Hilfsorganisation, die sich aus den eigenen Reihen gebildet hat, aber auch von Außenhilfe unterstützt wird versucht ein Selbstwertgefühl und eine Wertschätzung für die Kultur wieder herzustellen. Diese Außenhilfe sendet Freiwillige, wie mich, in diese Gastgemeinschaft um an Projekten mit zu arbeiten. Dies kann man nun von zwei Seiten betrachten. Auf der einen Seite zeigen wir durch unser Interesse an deren Kultur wie wertvoll es ist diese zu konservieren auf der anderen Seite müssen sie Jugendliche regelmäßig in ihre Häuser lassen, da wir auch als Einnahmequelle und kostenlose Hilfskraft gelten. Ich habe mich in meiner Gastfamilie mehr als willkommen gefühlt und habe mit meiner Gastmutter immer noch Kontakt. Ich habe auf meiner langen Reise gelernt, dass die wenigsten Dinge schwarz oder weiß sind und man leider viel zu oft abwägen muss „was das größere Gut ist“. Ich habe während meiner Zeit mit Tsa’chilas gelernt wie wichtig eine Kulturelle Identität ist.

Diese Erfahrung und das weitergeben ihrer Kultur war für mich persönlich noch wichtiger, als das eigentliche Projekt des Aufforstens ihres Waldes.

Peru

Nach unserer eindrucksvollen Zeit in Ecuador sind wir für eine Woche nach Peru gefahren, um den Maccu Picchu hochzuwandern. Es war definitiv eine körperliche Herausforderung. Mir hat nicht nur die dünne Luft zu schaffen gemacht, sondern die Kälte war teilweise kaum auszuhalten. Wie man vielleicht an der Kleidung, die ich in diesem Bild trage erkennen kann. Wir haben unser Gepäck den Berg hochgeschleppt und haben dann bevor es dunkel wurde unsere Zettele aufgeschlagen. Ich habe definitiv die kälteste Nacht meines Lebens in den Anden verbracht. Mir wurde aber schnell klar, dass sich all die Bemühungen und Anstrengung lohnten. Besonders als wir in unsere erste Nacht neben einem Gletscher schliefen, der von dem Sternenhimmel erneutet wurde.

Thailand

Nach einer 52 stündigen Reise sind wir in Thailand im Donjiang Village angekommen. Dort haben wir Reisbauern bei der Ernte geholfen. In Seminaren haben wir uns mit nachhaltiger Landwirtschaft auseinander gesetzt. Wir haben Fragen diskutiert wie, „How does agriculture affect culture?“ oder „Can sustainable argiculture feed the world?“

Wir schliefen zu dritt in einem Doppelbett und mussten deshalb quer liegen. Dadurch hingen unsere Füße vom Knie abwärts heraus. Das anstrengende war, dass man dadurch Nachts andauernd aufgewacht ist. Hier sieht man noch einmal meine Küche und das Badezimmer.

Unsere Aufgabe in den Gastfamilien bestand darin, ihnen bei ihrer Reisernte zu helfen.

Es war eine körperlich harte Arbeit. Speziell unter den klimatischen Bedingungen, die dort herrschten. Es war extrem heiß und wir mussten uns stark vor der intensiven Sonne schützen.

Diese kleinen Körner zu ernten macht doch mehr Arbeit, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Ich werde vermutlich nie wieder in einen Supermarkt gehen und eine Packung Reis kaufen können, ohne dabei daran zu denken, wie viel Arbeit in der Ernte und in der Verarbeitung von Reis steckt. Es ist ein unglaublich anstrengender Prozess, bis am Ende die kochfertig portionierten Reiskörner verkauft oder für den Eigenbedarf verwendet werden können. Aber es ist eben dieser Prozess der die Menschen auch in meinem Dorf verbindet. Die manuelle Reisproduktion macht zu einem großen Teil die Identität der Familien aus, die auf den Farmen arbeiten. Und es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Familien untereinander helfen. Es zählt nicht zuerst der Konkurrenzgedanke, sondern der Teamgeist. Mit Maschinen könnte man die Reisproduktion wahrscheinlich hundert mal schneller gestallten. Aber darum geht es gar nicht. Es kommt nicht allein auf die Effizienz an, sondern auf die gemeinsame Leistung.

Leider wird der Druck der wirtschaftlichen Globalisierung in diesem Bereich deutlich spürbar: Gerade in Thailand sind viele Farmer von internationalen Großkonzernen abhängig. Abhängig bedeutet, dass sie nicht nur für diese Konzerne produzieren, sondern auch verpflichtet werden, sämtliche Pestizide und Maschinen von den jeweiligen Firmen zu kaufen. Die Farmer überschulden sich dadurch immer mehr und geraten so in eine vollständige Abhängigkeit von den Großkonzernen – von Fragen des Umweltschutzes einmal ganz zu schweigen. Das Dorf in dem ich gewohnt habe hat sich dazu entschieden sich von dem industriellen Farmen abzuwenden und sich in die Unabhängigkeit des organischen farmens zu begeben. Diese Unabhängigkeit sieht so aus, dass die Familien zunächst einmal für ihren eigenen Bedarf produzieren und somit in ihrem Alltag eine grundsätzliche Sicherheit haben. Darüber hinaus nutzen die Bauern, soweit es geht, nur Kompost und eigene Pflanzenschutzmittel, aber keine Pestizide und Chemikalien. Auch der Verkauf auf den Märkten wird von den Familien selbst organisiert, um eine dauerhafte Abhängigkeit von Großkonzernen zu vermeiden.

Das Prinzip „je günstiger, desto besser“ stelle ich nun, mit meinen Erfahrungen aus dem Global Gap Year, immer mehr in Frage. Natürlich ist es wichtig, günstig zu produzieren, wenn man im Wettbewerb mithalten möchte. Aber nicht um jeden Preis. Wer einmal an der manuellen Produktion von Reis beteiligt war, weiß den Wert dieses und anderer Lebensmittel viel mehr zu schätzen.

Kambodscha

Unser nächstes Ziel war Kambodscha. Hier habe ich wunderschöne Tempel in Siem Reap erwartet und wir konnten ein weiteres Weltwunder, Angkor Wat, bestaunen. Was ich nicht erwartet habe war die jüngere Geschichte von Kambodscha.  Der Völkermord, wo 1/3 der Bevölkerung und eine ganze Genration ausgelöscht würde, und der vor 30 Jahren dort gesehen ist, erschüttert und beeinflusst das ganze Land heute noch. Während unsere Woche in Siem Reap hatten wir einen Tourguide namens Bun. Bun ist Anfang 30 und war unter dem Agrakommunisischten Regime der roten Khmer ein Kindersoldat. Er hat uns gezeigt was es bedeutet durch so ein traumatisches Erlebnis zu gehen und dennoch eine positive Energie wieder zu finden. Einen Großteil seiner Kraft zieht er aus dem Buddhismus und eines seiner vielen Lebensweisheiten war es, dass es zu jedem gut ein böses gibt, zu jedem dunkel ein Licht, zu jedem traurig ein glücklich also zu jedem ying and yang. Genau diese Lebensphilosophie hat er gelebt. Er war einer der interessantesten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe und hat mir auch für mein eignes Leben viel mitgegeben.

Indien

In Indien habe ich in Jaipur gewohnt. Die erste Großstadt seit drei Monaten. Indien unterschied sich jedoch extrem von den vorherigen Stationen. Der erste Eindruck war überwältigend. Ich habe noch nie eine derart überfüllte, verschmutzte Stadt erlebt wie Jaipur. Überall wo man hinsah gab es Armut, Müllberge und ein völlig chaotisches Verkehrssystem.

Unsere Aufgabe bestand darin, in einer Schule 3. Klässler in Englisch und Mathe zu unterrichten. Wir haben während unsere Seminare immer wieder kritisch über unsere eigene bisherige Schulbildung nachgedacht und auch über die unsere Schüler. Wir haben Fragen diskutiert wie „What is the purpose of education?“, „Does education oppress or liberate?“ oder „Does everyone need the same education?“

Indien hat meine Meinung über bestimmte Hilfsprojekte verändert.

Ich habe vorher noch nie in meinem Leben unterrichtet und stand mit einmal vor einer Klasse mit 25 Kindern, die mich mit grossen Augen anguckten. Es hat keine Einweisung und kaum einen Austausch mit den Lehrern geben. Es gab keinen Raum, keine Stühle oder Tische. Die Kinder saßen draußen im freien auf dem Fussboden. Unsere Tafel befand sich an einer Außenwand. Dieses Bild zeigt die Tafel am Ende unserer Zeit in Indien, vorher war alles drum herum kahl.

Als ich ihnen das erste mal vorschlug irgendetwas zu malen fing keiner an, sondern sie fragten mich, was sie denn malen sollten. Als ich sagte, dass Früchte toll wären, fing immer noch niemand an. Erst als ich einen Apfel und eine Banane an die Tafel zeichnete, malte die eine Hälfte eine Banane und die andere Hälfte der Klasse einen Apfel.

Die Kreativität der Kinder wurde kaum gefördert. Alles was zählte war auswendig lernen. Alle konnten das Alphabet auswendig, aber niemand konnte die einfachsten Wörter aussprechen – es sei denn sie hatten das Wort als ganzes vorher gelernt.

Es hat mich traurig wie wenig die Kinder dazu aufgerufen wurden etwas selbst zu kreieren.

Die Organisation IDEX, mit der wir in Indien gearbeitet haben, hat in mir eine weitere Frage über den Freiwilligendienst aufgeworfen, über die ich vorher nie nachgedacht hatte:

Was ist, wenn ich als Freiwilliger mehr Schaden anrichte, als ich helfe?

In meinem konkreten Beispiel war es so, dass ich den Schülern 4 Wochen lang gezeigt habe, wie man kreativ ist und wie ein Unterricht sein kann, in dem man keine Prügel bekommt, sondern sogar positives Feedback bei guter Leistung. Was passiert, wenn ich nach 4 Wochen wieder gehe? Der alte Lehrer kommt wieder und ich hinterlasse eine Lücke. Aus der Sicht des Lehrers habe ich seinen Unterrichtsstil und seine Autorität vor den Schülern in frage gestellt.

Wir haben in dieser Zeit auch nicht in den Familien unserer Schüler, die vorwiegend aus armen Verhältnissen kommen, gewohnt. Idex hatte uns in Familien aus der Mittel – und Oberschicht untergebracht.

Sie verdienen Geld an uns Freiwilligen und möchten uns somit die Zeit so angenehm wie möglich machen. Aus diesen Gründen ist Thinking Beyond Borders momentan dabei eine andere Organisation zu finden, die reflektierter über ihre Arbeit nachdenkt. Neben all meinen Defiziten als Freiwillige sagen einige Leute, dass solange ich gute Intentionen habe und mich intensiv mit der Arbeit auseinander setzte, werde ich wenigsten das Leben eines Kindes verbessern. Meine Gute Tat wird es sein, mindestens ein kleines Mädchen während meines kurzen Aufenthaltes Kraft zu geben und diese würde mir noch Jahre später an mich denken. Ich möchte aber nicht das dieses Kind jeden Tag an mich denkt. Ich möchte, dass sie  an ihren Lehrer, ihre Mutter, oder jemanden aus ihrer Gemeinschaft denkt. Ich möchte, dass sie einen Helden hat mit dem sie sich identifizieren kann, jemand der so aussieht wie sie, jemand der Teil ihrer Kultur ist, jemand der ihre Sprache spricht aber am wichtigsten ein Held der bleibt.

Als Bereicherung am Ende unserer Zeit durften wir spektakulär mit Kamelen durch die Wüste reiten und noch einmal eine ganz andere Seite – eine wunderschöne Seite – von Indien kennen lernen. Wir haben auch den Taj Mahal besichtigt. Mittlerweile das zweite Weltwunder auf dieser Reise.

Südafrika

In Südafrika haben wir ein wenig außerhalb von Plettenberg Bay,  im Kurland Village (aka. Crags), gelebt. Bisher haben die TBB- Schüler in weißen Gastfamilien aus der Mittel bis Oberschicht gelebt. Aus Sicherheitsgründen. Dieses Jahr haben wir das erste mal in Townships gewohnt. Ich muss sagen, dass mir das persönlich lieber war. Auch wenn meine Mutter da nicht unbedingt übereinstimmen würde. Die Erfahrung, die ich in jedem Land gemacht habe, war immer sehr eng mit meinen Gastfamilien und dem Leben in dem bestimmten Gemeinschaften verbunden.

In Süd Afrika haben wir mit einigen Patienten gearbeitet, die verschiedene Krankheiten hatten. Im Fokus aber unsere Seminare stand der HIV- Virus und die AIDS Epidemie. Wir haben uns Fragen gestellt wie, „What should a proactive, international response to the HIV/AIDS pandemic include?“ oder „If the medication to treat HIV/AIDS exists, why hasn’t the global community given everyone access?“. Unsere Organisation in Süd Afrika war das komplette Gegenteil zu Idex in Indien. PlettAid arbeitet normalerweise nicht mit Freiwilligen, sondern widmet ihre ganze Arbeit den Patienten. Thinking Beyond Borders ist eine Ausnahme. Ich war dafür wahnsinnig dankbar. So konnten wir miterleben wie ein gut ausgeführtes Projekt was komplett ihrem Hilfeauftrag gewidmet ist, ausgeführt wird. In jedem Township um Plettenberg Bay herum, gab es einige „Caregiver“. Der Job dieser „Caregiver“ war es in den Townships Patienten zuhause zu besuchen. Der Ansatz war folgender: Ein Patient ist nicht nur ein Patient. Man muss ihn als Menschen sehen mit allen Facetten die zu dem Leben des Patienten dazu gehören. Ich hatte zum Beispiel eine Patientin, die Diabetes hatte und dadurch einen Schlaganfall erlitten hat. Sie hat nun eine leichte Behinderung. PlettAid stellt ihr nicht nur Medikamente zur Verfügung, sondern kauft ihr auch Essen. Denn die Patientin kann sich kein gesundes Essen leisten. Durch ungesundes, billiges Essen erkranken im Übrigen die meisten in meinem Township an Diabetes. Auch wenn diese Caregiver tagtäglich vor risen Herausforderung stehen, hat mich die Arbeit in Südafrika unglaublich inspiriert. Mir ist klar geworden das dieser holistische Ansatz nicht nur im Gesundheitswesen wichtig ist, sondern auch in der Bildung und in anderen Lebensbereichen. Die Kinder in meiner Schule in Indien konnten oft nicht zur Schule kommen, da sie zuhause im Haushalt mithelfen mussten und auf ihre Geschwister aufpassen mussten damit die Eltern arbeiten konnten. Wenn ein Bildungssystem in solchen Ländern diese Probleme nicht auch mit ins Auge nimmt, hat es kaum eine Chance zu fruchten. Genauso in meinem Township in Südafrika. Viele Erkranken an Diabetes auf Grund des Geldmangels. Viele lassen HIV nicht behandeln bis es zu AIDS wird und geben somit dem Virus die Chance sie umzubringen. Sie lassen HIV aber ja nicht aus Faulheit nicht behandeln. Viele müssen ganze Tage laufen um zur nächsten Klink zu gelangen, andere Trauen sich in ihrem Township nicht zur Klink zu gehen wegen des sozialen Stigmas um AIDS herum.

Wenn man nicht den Menschen als ganzen ins Auge fasst wird es schwierig werden etwas großes zu bewirken.

Unsere letzte Enrichment week sollte eine Safari werden. In dieser Woche haben wir uns nicht nur die Vielfalt der südafrikanischen Tierwelt angesehen, sondern wir haben auch Ausflüge in die Sanddünen gemacht, konnten Bunge jumpen, Sky Diven und Shark Cage Diven gehen.

Amerika

Geendet hat unsere Reise in Washington DC, Amerika mit einem dreiwöchigen Aufenthalt. Eine Zeit in der wir die Erfahrungen auf dem Boden mit dem komplexen Handeln der einflussreichsten Organisationen in Washington DC verknüpfen konnten. Aber auch eine Zeit der ganz persönlichen Reflexion. In der ersten Woche hatten wir Treffen mit NGOs wie der UN Foundation, Think Tanks wie The Center for Global Development und der multinationalen Entwicklungsbank The World Bank. In der zweiten Wochen waren wir in Virginia in einem State Park. Dort haben wir die Aufgabe bekommen eine Presentation of Learning vorzubereiten, welche wir dann am vorletzten Tag vor Familie, Freunden und Alumni gehalten haben. Dieser Vortrag sollte uns dazu dienen die gesammelten Erfahrungen der letzten Monate zu reflektieren und zu einem konkreten Vortrag zusammen zu stellen. Und auch hier wartet noch eine letzte spannende Erfahrung auf mich. Teil der Vorbereitung für diesen Vortrag war ein sogenannter Solo Day, an dem wir mit einem gepackten Mittagessen, einem Stift und Papier morgens in den Wald geschickt wurden und vor Sonnenuntergang nicht zurück kommen sollten. Überhaupt nicht zu sprechen und einen kompletten Tag nur mit sich selbst und seien Gedanken zu verbringen, war eine außergewöhnliche Erfahrung.

Also wo führt mich das nun alles hin?

Ende

Leben in einer globalisierten Welt – wie kann das eigentlich funktionieren? Wie kann es vor allem fair funktionieren? Welche Rolle haben wir in Europa dabei? Und welche Verantwortung? Eines meiner größten Lernerfolge in diesem Jahr war es angefangen zu haben mir diese Fragen zu stellen. Ich habe angefangen ein kritisches Auge auf mich und mein Umfeld zu werfen und ständig zu reflektieren. Ich denke egal wie alt man ist oder egal was für ein Experte man in seinem Berufsfeld ist man kann immer etwas neues dazu lernen. Diese Reise stellt den Anfang für mich da und ich freue mich darauf diesen Weg in der Zukunft weiter einzuschlagen.

 

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