Zurück in der Heimat – Zusammenfassung meiner Erfahrungen

Hallo ihr Lieben,

Ein letztes mal möchte ich einen abschließenden Post verfassen.

Ich habe seitdem ich in Kapstadt war noch sehr sehr viel erlebt. Ich habe noch weitere 3 Wochen mit meiner Gastfamilie in Plett verbracht und konnte anschließend eine Safari genießen.

Meine lange Reise hat in Washington geendet, wobei wir auch in Staaten noch viel erlebt haben. Aber dazu auch noch mehr in meinem Vortrag.

Ich habe nämlich, nachdem ich mich 5 ganze Tage wieder in Hamburg einleben konnte direkt einen Vortrag gehalten. In diesem Vortrag beschreibe ich meine Erlebnisse und versuche zu erklären in wie fern mich diese beeinflusst haben und zum Nachdenken gebracht haben. Auch das Publikum hatte nach dem Vortrag noch viele Fragen, also falls ihr irgendwo nochmal nachhaken wollt oder eventuell selber daran interessiert seit was Thinking Beyond Borders noch so anbietet könnt ihr mich immer gerne kontaktieren.

Ich habe die Erlebnisse der letzten 7 Monate immer noch nicht ganz verarbeitet und ich denke, das es auch noch ein wenig dauern wird. Es ist komisch und zugleich schön wieder Zuhause zu sein. Ich vermisse meine TBB Freunde bin aber auch froh endlich meine Freunde und Familie aus Hamburg wieder zu haben. Wie ihr seht also sehr gemischte Gefühle. Mal sehen wo es mich jetzt als nächstes hinverschlägt. Ich bin selbst gespannt. Ich hoffe euch gefällt der Vortrag.

Jetzt heißt es nicht mehr bis bald, sondern aus Wiedersehen.

Eure Julia

In sieben Monaten um die Welt

In sieben Monaten um die Welt – von dieser einzigartigen Erfahrung möchte ich Ihnen heute berichten. Mein Name ist Julia Wünsche, ich bin 19 Jahre alt, habe im Sommer 2015 mein Abitur am Gymnasium Christianeum hier in Hamburg abgelegt. Am Montag bin ich von der bisher aufregendsten Reise meines Lebens zurückgekommen.

Heutzutage ist es ja nicht ungewöhnlich, nach dem Abitur ein paar Monate zu reisen und die Welt zu entdecken. Sicherlich kennen einige von Ihnen das von den eigenen Kindern. Ich wollte ganz bewusst, die Welt, die ich bisher kannte mit allem Komfort hinter mir lassen, und die Teile der Welt sehen, die gelegentlich in den Nachrichten auftauchen – und dabei fast nie in guten. Ich wollte Entwicklungsländer kennenlernen – und zwar nicht als Touristin, sondern als Gast, mittendrin, unter gleichen Bedingung. Es gibt verschiedene Organisationen, die solche Projekte anbieten. Entschieden habe ich mich letztlich für das so genannte „Global Gap Year“ der amerikanischen Non-profit-Organisation „Thinking Beyond Borders“.

Und so sieht ein „Global Gap Year“ aus: Zusammen mit 15 jungen Leuten aus Amerika und drei Teamleitern sind wir in 7 verschiedene Länder gereist. Unser gewohntes Leben aus Amerika oder Europa haben wir für sieben Monate komplett hinter uns gelassen – dafür haben die strengen Regeln gesorgt: kein Handy, kein Internet, kein Alkohol, und keine intimen Kontakte (außerhalb der Gruppe).

Das Program besteht aus drei Hauptkomponenten: Die erste Komponente ist das Leben und Arbeiten in den Gastgemeinschaften. Der zweite Schwerpunkt ist akademisch. Wir hatten während unser Reise regelmäßig Seminare. Diese sollten dazu dienen unsere Erfahrungen, mit unserem bisherigen Wissen und neu angeeigneten Artikeln und Büchern zu verknüpfen. Diesen Lehrstil nannten wir „experiential learning“.  Wir haben uns Fragen zu unserer persönlichen Entwicklung gestellt: „Who Am I?“. Wir haben uns während der gesamten Reise immer wieder gefragt „What is Development?“ und wir haben in den Seminaren kritische Fragen zu den jeweiligen Projekten an denen wir gearbeitet haben und Gemeinschaften in denen wir gelebt haben, gestellt.  Zuletzt sollte ein Spaßteil nicht fehlen. Zwischen unseren Projekten sind wir immer für eine Woche an neue Orte und in Länder gereist um dort die spannendsten und beeindruckendsten Kulturgüter der Welt zu besichtigen.

Es war eine Zeit, die mich sehr bereichert hat – aber auch eine Zeit, die viele Fragen aufgeworfen hat. Ich freue mich über die Gelegenheit, heute ein paar meiner Gedanken mit Ihnen teilen zu dürfen, indem ich von den Stationen meiner ungewöhnlichen Reise berichte.

Ecuador

Unsere erste Stationen war Ecuador. Wir haben an einem Projekt gearbeitet, dass sich die Aufforstung der Regenwälder zur Aufgabe gemacht hat und damit für nachhaltigen Umweltschutz sorgt. Dies war auch der Inhalt unserer Seminare. Nachhaltige Umwelt. Die essentielle Frage über die wir uns Gedanken gemacht haben war „What does it mean to be „environmentally responsible“?“

Wir haben in unserer Zeit in Ecuador daher 4.000 Bäume auf dem Land unserer Gastfamilien gepflanzt. Das Projekt hat Spaß gemacht was ich jedoch am meisten aus diesem Land mitgenommen habe, war das Leben mit dem eingeborenen Stamm, den Tsa’chilas.

Das Leben mit den Tsa’chilas war anderes als alles, was ich in meinem bisherigen Leben kennengelernt hatte. Diese Menschen leben erst seit 85 Jahren in der Zivilisation, vorher waren sie im Dschungel im Westen Ecuadors zu Hause. Küche. Schlafzimmer. Wir hatten kein fließendes Wasser. Das Wasser kam aus dem  Fluß. Toilette draußen. Toilette drinnen. Meine „Dusche“. Mitbewohner. Tiere und Menschen.

Im Regenwald zu leben bedeutet sich mit völlig anderen Problemen auseinander setzten zu müssen, als bei uns.

Ich habe mich noch nie damit beschäftigt mein zu Hause zu verlieren, weil der Ort an dem ich wohne durch Abholzung gefährdet ist. Oder ich bestimmte Gesetzt über meine Eigentumsrechte nicht kenne bzw. missverstehe und mir dadurch mein Stück Land weggenommen werden kann. Ich habe mich auch noch nie damit beschäftigt, dass meine Kultur von anderen als mindere Kultur angesehen wird und dadurch von diesen stärkeren Kulturen dominiert bzw. verdrängt wird.

Viele Dinge waren wesentlich komplizierter, als ich vorher gedacht hatte.

Durch die politische Situation, die von Globalisierung geprägt ist, ist es für Tsa’chilas schwer ihre eigene Kultur zu bewahren. Sie sind sehr stolz auf ihre Traditionen und ihre Identität, aber es ist sehr schwierig sich diese in einer schnelllebigen Welt zu erhalten.

Mir wurde z.B. klar, dass sie langsam ihre Sprache Tsa’fiki verlieren.

Es gibt noch ca. 2500 Tsachillas, aber wieviele von ihnen sind Lehrer, die die Kinder auf Tsa’fiki unterrichten können? Jeglicher Kontakt außerhalb des Stammes findet in Spanisch statt.

Damit Tsa’fiki nicht ganz verloren geht, ist es als Pflichtfach vor einigen Jahren in der kleinen Schule in Bua eingeführt worden.

Eine weitere Besonderheit dieser Kultur ist ihr Verhältnis zu Zahlen. Sie haben nämlich kaum eins. So war der Mann,  Fausto, denn sie eben im Video gesehen haben, an einem Tag 48 und am nächsten Tag 57 Jahre alt.

Dies sind natürlich Dinge, die zu ihrer Kultur dazu gehören aber den Kontakt zur Außenwelt erheblich erschweren. Dieser Kontakt ist aber wichtig, damit sie sich ihren Lebensraum erhalten können.

Die Hilfsorganisation, die sich aus den eigenen Reihen gebildet hat, aber auch von Außenhilfe unterstützt wird versucht ein Selbstwertgefühl und eine Wertschätzung für die Kultur wieder herzustellen. Diese Außenhilfe sendet Freiwillige, wie mich, in diese Gastgemeinschaft um an Projekten mit zu arbeiten. Dies kann man nun von zwei Seiten betrachten. Auf der einen Seite zeigen wir durch unser Interesse an deren Kultur wie wertvoll es ist diese zu konservieren auf der anderen Seite müssen sie Jugendliche regelmäßig in ihre Häuser lassen, da wir auch als Einnahmequelle und kostenlose Hilfskraft gelten. Ich habe mich in meiner Gastfamilie mehr als willkommen gefühlt und habe mit meiner Gastmutter immer noch Kontakt. Ich habe auf meiner langen Reise gelernt, dass die wenigsten Dinge schwarz oder weiß sind und man leider viel zu oft abwägen muss „was das größere Gut ist“. Ich habe während meiner Zeit mit Tsa’chilas gelernt wie wichtig eine Kulturelle Identität ist.

Diese Erfahrung und das weitergeben ihrer Kultur war für mich persönlich noch wichtiger, als das eigentliche Projekt des Aufforstens ihres Waldes.

Peru

Nach unserer eindrucksvollen Zeit in Ecuador sind wir für eine Woche nach Peru gefahren, um den Maccu Picchu hochzuwandern. Es war definitiv eine körperliche Herausforderung. Mir hat nicht nur die dünne Luft zu schaffen gemacht, sondern die Kälte war teilweise kaum auszuhalten. Wie man vielleicht an der Kleidung, die ich in diesem Bild trage erkennen kann. Wir haben unser Gepäck den Berg hochgeschleppt und haben dann bevor es dunkel wurde unsere Zettele aufgeschlagen. Ich habe definitiv die kälteste Nacht meines Lebens in den Anden verbracht. Mir wurde aber schnell klar, dass sich all die Bemühungen und Anstrengung lohnten. Besonders als wir in unsere erste Nacht neben einem Gletscher schliefen, der von dem Sternenhimmel erneutet wurde.

Thailand

Nach einer 52 stündigen Reise sind wir in Thailand im Donjiang Village angekommen. Dort haben wir Reisbauern bei der Ernte geholfen. In Seminaren haben wir uns mit nachhaltiger Landwirtschaft auseinander gesetzt. Wir haben Fragen diskutiert wie, „How does agriculture affect culture?“ oder „Can sustainable argiculture feed the world?“

Wir schliefen zu dritt in einem Doppelbett und mussten deshalb quer liegen. Dadurch hingen unsere Füße vom Knie abwärts heraus. Das anstrengende war, dass man dadurch Nachts andauernd aufgewacht ist. Hier sieht man noch einmal meine Küche und das Badezimmer.

Unsere Aufgabe in den Gastfamilien bestand darin, ihnen bei ihrer Reisernte zu helfen.

Es war eine körperlich harte Arbeit. Speziell unter den klimatischen Bedingungen, die dort herrschten. Es war extrem heiß und wir mussten uns stark vor der intensiven Sonne schützen.

Diese kleinen Körner zu ernten macht doch mehr Arbeit, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Ich werde vermutlich nie wieder in einen Supermarkt gehen und eine Packung Reis kaufen können, ohne dabei daran zu denken, wie viel Arbeit in der Ernte und in der Verarbeitung von Reis steckt. Es ist ein unglaublich anstrengender Prozess, bis am Ende die kochfertig portionierten Reiskörner verkauft oder für den Eigenbedarf verwendet werden können. Aber es ist eben dieser Prozess der die Menschen auch in meinem Dorf verbindet. Die manuelle Reisproduktion macht zu einem großen Teil die Identität der Familien aus, die auf den Farmen arbeiten. Und es ist beeindruckend zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit sich die Familien untereinander helfen. Es zählt nicht zuerst der Konkurrenzgedanke, sondern der Teamgeist. Mit Maschinen könnte man die Reisproduktion wahrscheinlich hundert mal schneller gestallten. Aber darum geht es gar nicht. Es kommt nicht allein auf die Effizienz an, sondern auf die gemeinsame Leistung.

Leider wird der Druck der wirtschaftlichen Globalisierung in diesem Bereich deutlich spürbar: Gerade in Thailand sind viele Farmer von internationalen Großkonzernen abhängig. Abhängig bedeutet, dass sie nicht nur für diese Konzerne produzieren, sondern auch verpflichtet werden, sämtliche Pestizide und Maschinen von den jeweiligen Firmen zu kaufen. Die Farmer überschulden sich dadurch immer mehr und geraten so in eine vollständige Abhängigkeit von den Großkonzernen – von Fragen des Umweltschutzes einmal ganz zu schweigen. Das Dorf in dem ich gewohnt habe hat sich dazu entschieden sich von dem industriellen Farmen abzuwenden und sich in die Unabhängigkeit des organischen farmens zu begeben. Diese Unabhängigkeit sieht so aus, dass die Familien zunächst einmal für ihren eigenen Bedarf produzieren und somit in ihrem Alltag eine grundsätzliche Sicherheit haben. Darüber hinaus nutzen die Bauern, soweit es geht, nur Kompost und eigene Pflanzenschutzmittel, aber keine Pestizide und Chemikalien. Auch der Verkauf auf den Märkten wird von den Familien selbst organisiert, um eine dauerhafte Abhängigkeit von Großkonzernen zu vermeiden.

Das Prinzip „je günstiger, desto besser“ stelle ich nun, mit meinen Erfahrungen aus dem Global Gap Year, immer mehr in Frage. Natürlich ist es wichtig, günstig zu produzieren, wenn man im Wettbewerb mithalten möchte. Aber nicht um jeden Preis. Wer einmal an der manuellen Produktion von Reis beteiligt war, weiß den Wert dieses und anderer Lebensmittel viel mehr zu schätzen.

Kambodscha

Unser nächstes Ziel war Kambodscha. Hier habe ich wunderschöne Tempel in Siem Reap erwartet und wir konnten ein weiteres Weltwunder, Angkor Wat, bestaunen. Was ich nicht erwartet habe war die jüngere Geschichte von Kambodscha.  Der Völkermord, wo 1/3 der Bevölkerung und eine ganze Genration ausgelöscht würde, und der vor 30 Jahren dort gesehen ist, erschüttert und beeinflusst das ganze Land heute noch. Während unsere Woche in Siem Reap hatten wir einen Tourguide namens Bun. Bun ist Anfang 30 und war unter dem Agrakommunisischten Regime der roten Khmer ein Kindersoldat. Er hat uns gezeigt was es bedeutet durch so ein traumatisches Erlebnis zu gehen und dennoch eine positive Energie wieder zu finden. Einen Großteil seiner Kraft zieht er aus dem Buddhismus und eines seiner vielen Lebensweisheiten war es, dass es zu jedem gut ein böses gibt, zu jedem dunkel ein Licht, zu jedem traurig ein glücklich also zu jedem ying and yang. Genau diese Lebensphilosophie hat er gelebt. Er war einer der interessantesten Menschen, die ich je in meinem Leben getroffen habe und hat mir auch für mein eignes Leben viel mitgegeben.

Indien

In Indien habe ich in Jaipur gewohnt. Die erste Großstadt seit drei Monaten. Indien unterschied sich jedoch extrem von den vorherigen Stationen. Der erste Eindruck war überwältigend. Ich habe noch nie eine derart überfüllte, verschmutzte Stadt erlebt wie Jaipur. Überall wo man hinsah gab es Armut, Müllberge und ein völlig chaotisches Verkehrssystem.

Unsere Aufgabe bestand darin, in einer Schule 3. Klässler in Englisch und Mathe zu unterrichten. Wir haben während unsere Seminare immer wieder kritisch über unsere eigene bisherige Schulbildung nachgedacht und auch über die unsere Schüler. Wir haben Fragen diskutiert wie „What is the purpose of education?“, „Does education oppress or liberate?“ oder „Does everyone need the same education?“

Indien hat meine Meinung über bestimmte Hilfsprojekte verändert.

Ich habe vorher noch nie in meinem Leben unterrichtet und stand mit einmal vor einer Klasse mit 25 Kindern, die mich mit grossen Augen anguckten. Es hat keine Einweisung und kaum einen Austausch mit den Lehrern geben. Es gab keinen Raum, keine Stühle oder Tische. Die Kinder saßen draußen im freien auf dem Fussboden. Unsere Tafel befand sich an einer Außenwand. Dieses Bild zeigt die Tafel am Ende unserer Zeit in Indien, vorher war alles drum herum kahl.

Als ich ihnen das erste mal vorschlug irgendetwas zu malen fing keiner an, sondern sie fragten mich, was sie denn malen sollten. Als ich sagte, dass Früchte toll wären, fing immer noch niemand an. Erst als ich einen Apfel und eine Banane an die Tafel zeichnete, malte die eine Hälfte eine Banane und die andere Hälfte der Klasse einen Apfel.

Die Kreativität der Kinder wurde kaum gefördert. Alles was zählte war auswendig lernen. Alle konnten das Alphabet auswendig, aber niemand konnte die einfachsten Wörter aussprechen – es sei denn sie hatten das Wort als ganzes vorher gelernt.

Es hat mich traurig wie wenig die Kinder dazu aufgerufen wurden etwas selbst zu kreieren.

Die Organisation IDEX, mit der wir in Indien gearbeitet haben, hat in mir eine weitere Frage über den Freiwilligendienst aufgeworfen, über die ich vorher nie nachgedacht hatte:

Was ist, wenn ich als Freiwilliger mehr Schaden anrichte, als ich helfe?

In meinem konkreten Beispiel war es so, dass ich den Schülern 4 Wochen lang gezeigt habe, wie man kreativ ist und wie ein Unterricht sein kann, in dem man keine Prügel bekommt, sondern sogar positives Feedback bei guter Leistung. Was passiert, wenn ich nach 4 Wochen wieder gehe? Der alte Lehrer kommt wieder und ich hinterlasse eine Lücke. Aus der Sicht des Lehrers habe ich seinen Unterrichtsstil und seine Autorität vor den Schülern in frage gestellt.

Wir haben in dieser Zeit auch nicht in den Familien unserer Schüler, die vorwiegend aus armen Verhältnissen kommen, gewohnt. Idex hatte uns in Familien aus der Mittel – und Oberschicht untergebracht.

Sie verdienen Geld an uns Freiwilligen und möchten uns somit die Zeit so angenehm wie möglich machen. Aus diesen Gründen ist Thinking Beyond Borders momentan dabei eine andere Organisation zu finden, die reflektierter über ihre Arbeit nachdenkt. Neben all meinen Defiziten als Freiwillige sagen einige Leute, dass solange ich gute Intentionen habe und mich intensiv mit der Arbeit auseinander setzte, werde ich wenigsten das Leben eines Kindes verbessern. Meine Gute Tat wird es sein, mindestens ein kleines Mädchen während meines kurzen Aufenthaltes Kraft zu geben und diese würde mir noch Jahre später an mich denken. Ich möchte aber nicht das dieses Kind jeden Tag an mich denkt. Ich möchte, dass sie  an ihren Lehrer, ihre Mutter, oder jemanden aus ihrer Gemeinschaft denkt. Ich möchte, dass sie einen Helden hat mit dem sie sich identifizieren kann, jemand der so aussieht wie sie, jemand der Teil ihrer Kultur ist, jemand der ihre Sprache spricht aber am wichtigsten ein Held der bleibt.

Als Bereicherung am Ende unserer Zeit durften wir spektakulär mit Kamelen durch die Wüste reiten und noch einmal eine ganz andere Seite – eine wunderschöne Seite – von Indien kennen lernen. Wir haben auch den Taj Mahal besichtigt. Mittlerweile das zweite Weltwunder auf dieser Reise.

Südafrika

In Südafrika haben wir ein wenig außerhalb von Plettenberg Bay,  im Kurland Village (aka. Crags), gelebt. Bisher haben die TBB- Schüler in weißen Gastfamilien aus der Mittel bis Oberschicht gelebt. Aus Sicherheitsgründen. Dieses Jahr haben wir das erste mal in Townships gewohnt. Ich muss sagen, dass mir das persönlich lieber war. Auch wenn meine Mutter da nicht unbedingt übereinstimmen würde. Die Erfahrung, die ich in jedem Land gemacht habe, war immer sehr eng mit meinen Gastfamilien und dem Leben in dem bestimmten Gemeinschaften verbunden.

In Süd Afrika haben wir mit einigen Patienten gearbeitet, die verschiedene Krankheiten hatten. Im Fokus aber unsere Seminare stand der HIV- Virus und die AIDS Epidemie. Wir haben uns Fragen gestellt wie, „What should a proactive, international response to the HIV/AIDS pandemic include?“ oder „If the medication to treat HIV/AIDS exists, why hasn’t the global community given everyone access?“. Unsere Organisation in Süd Afrika war das komplette Gegenteil zu Idex in Indien. PlettAid arbeitet normalerweise nicht mit Freiwilligen, sondern widmet ihre ganze Arbeit den Patienten. Thinking Beyond Borders ist eine Ausnahme. Ich war dafür wahnsinnig dankbar. So konnten wir miterleben wie ein gut ausgeführtes Projekt was komplett ihrem Hilfeauftrag gewidmet ist, ausgeführt wird. In jedem Township um Plettenberg Bay herum, gab es einige „Caregiver“. Der Job dieser „Caregiver“ war es in den Townships Patienten zuhause zu besuchen. Der Ansatz war folgender: Ein Patient ist nicht nur ein Patient. Man muss ihn als Menschen sehen mit allen Facetten die zu dem Leben des Patienten dazu gehören. Ich hatte zum Beispiel eine Patientin, die Diabetes hatte und dadurch einen Schlaganfall erlitten hat. Sie hat nun eine leichte Behinderung. PlettAid stellt ihr nicht nur Medikamente zur Verfügung, sondern kauft ihr auch Essen. Denn die Patientin kann sich kein gesundes Essen leisten. Durch ungesundes, billiges Essen erkranken im Übrigen die meisten in meinem Township an Diabetes. Auch wenn diese Caregiver tagtäglich vor risen Herausforderung stehen, hat mich die Arbeit in Südafrika unglaublich inspiriert. Mir ist klar geworden das dieser holistische Ansatz nicht nur im Gesundheitswesen wichtig ist, sondern auch in der Bildung und in anderen Lebensbereichen. Die Kinder in meiner Schule in Indien konnten oft nicht zur Schule kommen, da sie zuhause im Haushalt mithelfen mussten und auf ihre Geschwister aufpassen mussten damit die Eltern arbeiten konnten. Wenn ein Bildungssystem in solchen Ländern diese Probleme nicht auch mit ins Auge nimmt, hat es kaum eine Chance zu fruchten. Genauso in meinem Township in Südafrika. Viele Erkranken an Diabetes auf Grund des Geldmangels. Viele lassen HIV nicht behandeln bis es zu AIDS wird und geben somit dem Virus die Chance sie umzubringen. Sie lassen HIV aber ja nicht aus Faulheit nicht behandeln. Viele müssen ganze Tage laufen um zur nächsten Klink zu gelangen, andere Trauen sich in ihrem Township nicht zur Klink zu gehen wegen des sozialen Stigmas um AIDS herum.

Wenn man nicht den Menschen als ganzen ins Auge fasst wird es schwierig werden etwas großes zu bewirken.

Unsere letzte Enrichment week sollte eine Safari werden. In dieser Woche haben wir uns nicht nur die Vielfalt der südafrikanischen Tierwelt angesehen, sondern wir haben auch Ausflüge in die Sanddünen gemacht, konnten Bunge jumpen, Sky Diven und Shark Cage Diven gehen.

Amerika

Geendet hat unsere Reise in Washington DC, Amerika mit einem dreiwöchigen Aufenthalt. Eine Zeit in der wir die Erfahrungen auf dem Boden mit dem komplexen Handeln der einflussreichsten Organisationen in Washington DC verknüpfen konnten. Aber auch eine Zeit der ganz persönlichen Reflexion. In der ersten Woche hatten wir Treffen mit NGOs wie der UN Foundation, Think Tanks wie The Center for Global Development und der multinationalen Entwicklungsbank The World Bank. In der zweiten Wochen waren wir in Virginia in einem State Park. Dort haben wir die Aufgabe bekommen eine Presentation of Learning vorzubereiten, welche wir dann am vorletzten Tag vor Familie, Freunden und Alumni gehalten haben. Dieser Vortrag sollte uns dazu dienen die gesammelten Erfahrungen der letzten Monate zu reflektieren und zu einem konkreten Vortrag zusammen zu stellen. Und auch hier wartet noch eine letzte spannende Erfahrung auf mich. Teil der Vorbereitung für diesen Vortrag war ein sogenannter Solo Day, an dem wir mit einem gepackten Mittagessen, einem Stift und Papier morgens in den Wald geschickt wurden und vor Sonnenuntergang nicht zurück kommen sollten. Überhaupt nicht zu sprechen und einen kompletten Tag nur mit sich selbst und seien Gedanken zu verbringen, war eine außergewöhnliche Erfahrung.

Also wo führt mich das nun alles hin?

Ende

Leben in einer globalisierten Welt – wie kann das eigentlich funktionieren? Wie kann es vor allem fair funktionieren? Welche Rolle haben wir in Europa dabei? Und welche Verantwortung? Eines meiner größten Lernerfolge in diesem Jahr war es angefangen zu haben mir diese Fragen zu stellen. Ich habe angefangen ein kritisches Auge auf mich und mein Umfeld zu werfen und ständig zu reflektieren. Ich denke egal wie alt man ist oder egal was für ein Experte man in seinem Berufsfeld ist man kann immer etwas neues dazu lernen. Diese Reise stellt den Anfang für mich da und ich freue mich darauf diesen Weg in der Zukunft weiter einzuschlagen.

 

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Kapstadt

Hallo ihr Lieben,

Letztes Wochenende war ich in Kapstadt! Ich konnte endlich Anni und Emmi wieder sehen! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr ich mich gefreut habe die beiden wieder zu sehen! Wir sind am Freitag gegen 1 Uhr in unserem Hostel angekommen und dort habe ich dann die beiden endlich wieder gesehen, natürlich inklusive Freudentränen. Wir sind direkt zur Wasserfront gegangen und sind dann mit dem Boot zu Robin Island gefahren. Dort haben wir eine Rundtour bekommen und eine ehemaliger Insasse hat uns das Gefängnis gezeigt.

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Nach unserem Besuch auf Robin Island sind wir Sushi essen gegangen. Natürlich haben Anni und Emmi uns auch noch Long Street gezeigt und wir hatten trotz der TBB Anti-Alkohol Regeln viel Spaß (man mag es kaum glauben).

Am nächsten Morgen bin ich mit Jake und Eli den Tafelberg hochgewandert. Anni und Emmi mussten arbeiten und Maddie, Steven und Rachel sind mit der Gondel hoch gefahren. Der Blick beim Hochwandern wurde von Minute zu Minute schöner!

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Natürlich mussten wir ein kleines Fotoshouting auf dem Gipfel haben…

Am Abend sind wir dann zum Ultra Festival gegangen. Anni hat mir ihr Handy geliehen, damit auch ein paar Bilder machen konnte ohne meine Kamera mit zunehmen. Wir haben Galantis, Dash Berlin, Zedd und Skrillex gesehen. Ich muss sagen, dass ich ein bisschen enttäuscht war, weil Justin Bieber nicht als Special Guest aufgetreten ist, aber ansonsten hatten wir unglaublich viel Spaß.

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Dieses Wochenende hat unglaublich Spaß gemacht. Kapstadt ist eine unglaublich coole Stadt und Anni und Emmi zu sehen hat dieses Wochenende nochmal 100 mal schöner gemacht.

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Nicht nur Strand…

Hallo ihr Lieben,

Fast zwei Wochen sind schon vergangen, seitdem ich in Sued Afrika gelandet bin. Meine Guete war ich froh endlich wieder frische Luft einatmen zu können. Die Natur hier ist wunderschön. In den ersten Tagen haben wir in einem Adventure Resort hier übernachtet. Wir haben eine zwei stündige Wanderung durch die Wälder hier gemacht und sind am Strand geendet (siehe Bilder). Ich habe es in Indien nicht mal richtig gemerkt, dass ich so Naturdeprimiert war, bis wir an diesem Strand angekommen waren. Es war wunderschön und gar nicht mit Indien (zumindest in den Teilen in denen ich war) zu vergleichen. Nach drei Tagen ging es dann auch schon in unsere Gastfamilien. Um ehrlich zu sein ging das alles sehr schnell, aber so schlimm war das auch gar nicht, da meine Familie hier wirklich unglaublich lieb ist. Ich habe eine Gastschwester, Dee (26), die super temperamentvoll ist, einen Gastbruder Nathan (11), der leider etwas schüchtern ist und bis jetzt immer noch kein Wort mit mir oder Rachel (meinem Roommate) gewechselt hat und dann ist da noch meine Gastmutter Lee (50). Wir wohnen in einem Town Ship in der nähe von Plettenberg Bay in einem kleinen Backsteinhaus am Rande des Town Ships. Unser Town Ship ist eines der kleinsten und wie überall auf der Welt wird in kleinen Gemeinden viel geredet. In Hamburg ist einem das ja auch nicht gerade fremd. So gibt es hier jeden morgen neue Geschichten über die Nachbarn, die dann auch gerne mal zur Familie gehören. Crags, so heist das Town Ship in dem ich wohne, hat eine Bücherei und eine kleinen Klinik. In dieser Klinik habe ich diese Woche gearbeitet. Ich wiege Babies, arbeite an der Rezeption und sortiere Dokumente. Die Managerin der Klinik nimmt mich manchmal in Behandlungen mit rein. Die erste Patientin, bei der ich mit in die Behandlung durfte, war eine AIDS Patientin. Sie hat seit 10 Jahren AIDS, ist im letzten Stadium, wiegt nur nich 36kg und hat zum dritten mal Tuberculosis. Beverly (so heist die Managerin) hat mir gesagt, dass sie die Medikamente nicht Regelmäßig nimmt. Als ich gefragt habe warum meinte die Patientin nur müde, dass sie trinkt. In unserem Town Ship ist angeblich viel Alkoholismus. Was mich überrascht hat war die Offenheit, der Patientin über ihre Krankheit und die restlichen Umstände. In der Woche davor habe ich Hausbesuche gemacht und bin im Auto rum gefahren, habe Kondome verteilt und HIV Tests gemacht. Ich muss sagen das war für mich wirklich nicht einfach. Die Hausbesuche haben mich nicht ganz so sehr getroffen, aber am letzten Freitag haben wir 10 junge Männer auf HIV getestet. Einer hatte es schon, zwei haben den Test verweigert und 2 wurden positiv getestet. Das hat mich mitgenommen. Bei dem Moment dabei zu sein und seine Reaktion auf das Testergebnis zu sehen war niederschmetternd. Die Arbeit hier ist also gerade psychisch nicht ganz einfach, aber dafür haben wir ja zum Glück unsere Seminare in denen wir immer noch sehr interessante Fragen diskutieren und uns gegenseitig aufbauen. Es hilft einfach, wenn man sich mit Leuten austauschen kann, die gerade die selben Erfahrungen machen. Auch wenn ich mich in unserem Town Ship sehr sich fühle, hört oder sieht man immer mal wieder Dinge, die mich zum Nachdenken bringen. Die Häuser in denen die Menschen hier wohnen sind teilweise nur kleine Blech oder Holzhütten und die Hygienezustände in den Häusern trägt sichtlich nicht zur Gesundheit, der Patienten bei. Von dem Alkoholismus hier habe ich ja schon kurz gesprochen, aber es gibt auch einige die hier Drogen nehmen. Es wird daher viel gestohlen und gerade in der “Taverne” (Bar) hier im Town Ship (wo wir nicht hin dürfen) ist Gewalt keine Seltenheit. Aber wie schon gesagt, fühle ich mich trotzdem sehr sicher. Meine Familie passt gut auf uns auf, wir sind immer zu zweit unterwegs und da wir in der Klinik arbeiten kennen uns auch schon einige Leute und respektieren uns. In den letzten Jahre haben die TBB Schüler in reichen weissen Gastfamilien gewohnt und sind dann zur Arbeit in die Town Ships gegangen. Das hat sicherlich auch Vorteile, ich würde mich dabei aber irgendwie unwohl fühlen. Es fühlt sich gut an ein bisschen ein Teil dieser Gemeinschaft hier zu sein. Und auch wenn wir noch sehr Offensichtlich Ausländer sind, fangen die Menschen hier an dich mehr zu respektieren, sobald du ihnen sagst, dass du hier wohnst. Also Sued Afrika ist auf jeden fall ein sehr interessantes Land mit einigen Konflikten auf jeden fall. Aber auch unglaublich liebenswerten Menschen, wunderschöner Natur und als Tour auch ziemlich coolen Aktivitäten. Ich bin gespannt noch mehr zu erfahren und zu erleben.

Bis dann, Juli

Enrichment Week in Indien

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Wie man sieht sind wir mit Kamelen durch die Wueste geritten. Ich glaube auch in diesem Fall stehen die Bilder fuer sich selbst.

Wir haben eine Nacht in der Wueste uebrnachtet, wo wir Feuerspucker und Taenze aus Rajasthan gesehen haben.

Pushkar war die eine Stadt, die wir uns angeguckt haben. Dort gab es viele Temple und auch einen heiligen See. Um diesen See sind wir einmal Bahrfuss rumgelaufen und ich bin nicht nur einmal in Vogelsch**** getreten.

Die andere Stadt war Udaipur. Die Stadt war viel sauberer, als Jaipur und mir hat es echt Spass nochmal einen anderen Teil von Indien zu sehen. Obwohl die Enrichment Weeks normalerweise in einem anderen Land sind, hatte ich wahnsinnig viel Spas und habe nochmal viel neues gesehen.

In den letzten beiden Tagen hatte ich leider eine Lebensmittelvergiftung und musste in diesem Zustand auch noch ueber 40 Stunden reisen. Ich glaube das waren ungelogen die schlimmsten 40 Stunden in meinem Leben. Als ich dann endlich in Sued Afrika angekommen bin, war ich heil froh endlich da zu sein. Bisher habe ich eine sehr gute Zeit in Sued Afrika und habe schon unglaublich viel erlebt. Ich werde bald davon berichten.

Bis dann, Julia

Indien Part 2

Hallo ihr Lieben,

Meine Zeit in Indien ist zwar noch nicht ganz vorbei. Die Enrichmentweek liegt noch vor mir, aber lange 6 Wochen in Jaipur, in meiner Gastfamilie, in meiner Schule liegen hinter mir.

In meinem ersten Bericht aus Indien habe ich den ersten Eindruck von der Stadt geschildert. Grau, überfüllt und verschmutzt. Das hat sich nicht geändert. Dennoch habe ich auch die schönen Seiten der Stadt nun erleben können. Das meiste konntet ihr auf den Bildern in meinen letzten beiden Posts sehen.

Nun möchte ich hauptsächlich von meinem Projekt und meinem Alltag berichten. Wir stehen jeden morgen um 8 Uhr auf, essen Frühstück, und um 9:30 Uhr geht die Schule los. Die Umstände in der Schule sind katastrophal. Ich hatte noch nichtmal einen Klassenraum, in dem ich unterrichten konnte, geschweige denn Tische und Stühle für die Schüler. In der ersten Woche war alles sehr chaotisch. Wir wurden am ersten Tag einfach in unsere Klasse hinein geführt und dann wurde uns gesagt: “Hier könnt ihr nun unterrichten.” Als ob wir unser Leben lang nichts anderes gemacht hätten. Wir hatten keine Ahnung auf welchem Stand unsere Klasse war und sprechen ausserdem kaum ein Wort Hindi. Wie unterrichtet man Mathe oder eine Fremdsprache, wenn man die Muttersprache noch nicht einmal spricht? Wir standen also vor einer grossen Herausforderung. Aber nicht nur wir. Auch für unsere Schüler war es bestimmt nicht einfach. Ich wäre verwirrt gewesen, wenn eines Tages einfach zwei Ausländer in meiner 3. Klasse aufgetaucht wären, die meine grossen Schwestern hätten sein können, die nicht einmal meine Sprache sprechen dennoch angeblich trotzdem qualifizierter sind zu unterrichten, als meine Lehrer. Wie ihr seht kritisiere ich das Projekt, weil es nicht nur für mich schwer war, Ich glaube auch, das es für die Kinder eventuell nicht das Beste ist, wenn ich für vier Wochen in den Klassenraum komme ihnen ein paar Sätze Englisch beibringe und dann wieder verschwinde.

Aber mal angenommen ich bringe den Kindern wirklich was bei. Was bringt Ihnen das, wenn ich nach 4 Wochen wieder weg bin? Dann haben sie gerade mal angefangen, das Konzept des Englischen zu verstehen und sich an mich als Lehrerin gewöhnt und dann gehe ich wieder und hinterlasse eine Lücke. Ich glaube es ist wichtig mit einer Einstellung an die Sache ran zu gehen, in der man von einander lernen möchte, statt das eine Seite der anderen was beibringt. Ich habe mich hier in Indien aber so gefühlt als hätten die Schüler und Lehrer die Erwartung an mich etwas grossartig herbeizuführen. Dabei wollte ich von ihnen lernen. Ich wollte von den Lehrern lernen und ich wollte von dieser Gemeinschaft lernen.

Der Freiwilligendienst  an Schulen ist zumindest in Indien nicht wirklich nachhaltig. Daher haben sich einige von uns dazu entschlossen ihr Mediaproject über Volunteering zu machen. Sobald das Projekt fertig ist, werde ich es hier veröffentlichen. Das wird dann hoffentlich noch mehr Kontext zu meinen hier angefangen Kritiken geben.

Insgesamt muss ich zugeben hatte ich keine einfache Zeit an der Schule zu unterrichten. Ich habe meine Schüler zwar sehr lieb gewonnen aber man steht ständig zwischen Zwiespalten. Bin ich Lehrer und sollte eine gewisse Distanz halten? oder Will ich ein Freund sein und mit Ihnen auf dem Schulhof herumspielen? Helfe ich den Kindern indem ich Ihnen ein bisschen Englisch bei bringe? oder Schade ich ihnen mehr, da ich am Ende nur für Verwirrung sorge?

Nach dem Unterrichten sind wir unter der Woche um 12 Uhr immer zurück zu unserer Gastorganisation gefahren und haben dort Mittag gegessen. Nachmittag hatten wir meistens Seminare, die sich rund um Bildung gedreht haben. Sie haben mich zu vielen weiteren Fragen geführt. Was ist eigentlich Bildung? Wer entscheidet was Bildung ist? Kann Bildung fair sein? Was macht eine gute Bildung aus? Diese Fragen haben mich auch dazu gebracht über meine eigene Schulzeit nachzudenken und zu reflektieren. Ich habe mich dabei an Situationen erinnert, die ich teilweise vergessen hatte oder für komplett unwichtig erachtet hatte. Es hat Spas gemacht über Themen zu diskutieren zu denen man einen ganz direkten Bezug hat. Um 17 Uhr sind wir dann zurück zu unseren Gastfamilien gefahren. Dort haben wir dann Tee serviert bekommen. Ich muss sagen, dass war schon ein bisschen komisch. Morgens unterrichten wir Kinder, die sich nicht einmal löcherfreie Socken leisten können und Abends kommen wir zurück zu unserer Gastfamilie, die in ganz anderen Verhältnissen lebt. Ansonsten will ich mich natürlich nicht über meine Wohnsituation beschweren.

Wobei ein kleinen Hacken gab es doch noch an unser Gastfamilie und dieser Hacken hat mich zu meinem Media Project inspiriert. In Indien regiert zurzeit die “Hindu Nationalist Party”. Es gibt in dieser Partei extremere Standpunkte und weniger extreme Standpunkte. Ich würde sagen aus der Sicht Indiens wäre meine Familie auf dem weniger extremen Spektrum und das sagt einiges aus… Mein Gastonkel ist ein Riesen Fan von Donald Trump und besonders begeistert von seiner Meinung über Flüchtlinge und Migranten in den USA. Er meint, man muss ja schliesslich sein Land vor diesen Menschen bewahren. Besonders gegenüber den Muslimen ist es aus seiner Sicht nahe zu unmöglich freundlich und einladend zu sein, da diese Religion nichts Gutes mit sich bringt. An dieser Stelle möchte ich sagen, dass ich dies in keinster Weise meiner Meinung entspricht. Was mich am meisten gewundert hat war, das meine Gastfamilie sehr gebildet war. Alles Professoren, die schon viele Teile der Welt bereist haben. Dennoch ist aus vielen Diskussionen hervorgegangen, dass die Medien und negative Erfahrungen mit ein paar Muslimen und eine generelle pauschalisieren von Gruppen, zu der meine Gastfamilie stark neigte, so viel Angst in meiner Gastfamilie entfacht hat, dass sie kaum mehr die positiven Dinge erkennen können.

Eine kleine Anekdote zu dieser Pauchalisierung: Am zweiten Tag meiner Ankunft in Jaipur hat meine Gastfamilie mir erzählt, dass sie schon einige male in Deutschland waren. Sie haben sich sehr gewundert, dass ich aus Deutschland kam, da ich sehr fröhlich auf sie wirkten und sie in Deutschland die Erfahrung gemacht hätten, dass alle Deutsche sehr unglückliche, grimmige, ernste Menschen wären, die kaum miteinander reden. Dann fragten sie mich in welche Länder ich schon gereist war. Als ich sagte, dass ich einige male in Italien war, warnten sie mich das ich dort auf meine Taschen aufpassen solle, weil alle Italiener Diebe wären. Und als ich sagte, dass ich auch schon in Spanien war, meinten sie, dass dort alle Menschen sehr faul wären. Ich frage mich bis heute woher diese Pauschalisierung kommt und kann es diese nahezu Blindheit nicht nachvollziehen.

Das war also der Hacken an meiner Gastfamilie und dennoch waren sie alle einer der liebsten und gelassensten Menschen, die seit langem kennen gelernt habe. Es war sehr Gegensätzlich und das machte es so bizarr und unverständlich für mich.

Indien war also eine Zeit, in der ich viel nachgedacht habe, reflektiert habe aber auch viele Erkenntnisse gewonnen habe. Ich hätte zum Beispiel vorher nie darüber nachgedacht, das eine freiwilligen Organisation schaden anrichten kann. Indien wird im nächsten Jahr genau aus diesem Grund aus meinem Programm von TBB gestrichen. Ich bin nichts desto trotz froh diese Erfahrung hier in Indien und mit dem Bildungssystem, meiner Gastfamilie und allem drum und dran gemacht zu haben. Ich bin mir aber auch sicher, dass gerade die Erkenntnis mit dem Volunteering auf einem besseren Wege möglich ist.

Ich bin mal gespannt, wie die kommende Woche wird. Leider ist diese Enrichmentweek nicht in einem neuen Land ich bin mir dennoch sicher, das ich viele neue Sachen entdecken werde. Ich freu mich dann auch schon sehr auf Südafrika VORALLEM, weil ich dort vielleicht Anni und Emmi treffen werde, die dort gerade auf einem Weingut arbeiten. Ich könnte mir nichts schöneres vorstellen, als die beiden endlich wieder in meine Arme zu schliessen. Ich werde berichten!

Bis dann, Julia

Vor zwei Wochen habe ich mit meiner Gruppe einen Wochenendausflug nach Agra gemacht. Unser Hauptziel der Taj Mahal:

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Wir haben unseren zweiten und dritten Fort in Indien in Agra und auf dem Weg nachhause besichtigt. Ich muss zugeben, die Forts sind alle sehr aehnlich und so haben wir uns dann die Zeit auf eine „krative“ Art und Weise vertrieben.

Am Wochenende darauf haben wir viel unternommen wir waren Paintball spielen…

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… haben mehr als einmal Maddies Geburtstag gefeiert…

  1. Mal…
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  2. …Mal…

    (die Getraenke sind Moktails #IAmTBB)

  3. …Malthumb_IMG_8929_1024

Aussedem war an dem Wochenende auch noch das Kite Festival. Wir haben versucht die Drachen in die Luft steigen zu lassen und sind natuerlich Alle klaeglich gescheitert.

Wir haben an einem Block Printing Kurs teilgenommen, wo wir unsere eigenen Schaals (wie auch immer der Plural von diesem Wort lautet) gemacht haben.

Ich entschuldige mich fuer die droege Erzaehlsweise. Ich wollte ich einfach nur durch die Bilder einen kurzen Ueberblick von meiner Zeit in Indien geben und ein schriftlicher Post, folgt am Ende meiner Zeit hier.

Liebe Gruesse, Julia

Ersten Bilder aus Jaipur, Indien

Waehrend der Weihnachtszeit haben wir Amber Fort besucht…

…Und den City Palast in Jaipur.

Unsere Weihnachtsfeier in Jaipur. Wir haben Secret Santa gemacht, sodass jeder ein Geschenk bekommen hat. Wir hatten einen leckeren Brunch am 25. (ich reise ja mit hauptsaechlich Amerikanern rum). Das passiert, wenn man ein paar 18 und 19 jaehrigen Knete, Nerfpistolen und andere Spielzeuge zu Weihnachten schenkt…

Ich habe eins der besten Geschenke bekomme: JUSTIN BIEBERS NEUES ALBUM YEYYYYYY

Man sieht wir sind alle dazu bereit verantwortungsvolle Erwachsene zu sein.

Und eine weitere wichtige Information ist, dass der aufblasbare Tannenbaum natuerlich von Mami kam.

So viel zum indischen Verkehr. Ich bezweifel, dass es irgendeine Art von Kontrolle es dort gibt (auch wenn das Schild das Gegenteil sagt).

Und zu guter letzt (fuer heute) ein paar Bilder aus einem Magazin von meiner Gastgrossmutter – Hollywoods Yoga Mom (und Kate Winslet, die in selben Bett wie ich geschlafen hat). Man sieht also, dass meine Wohnsituation hier eine etwas andere ist, als die in Ecuador und Thailand. Wie ich mich deswegen fuehle, werde ich sicherlich noch in einem weiteren Post beschreiben.

 

Das Internet ist hier so langsam, dass ich es leider nicht mehr die letzten Bilder aus Jaipur und Agra hochladen komme. Ich werde mich darum bemuehen, diese bald nachzuliefern.

Bis dann, Jules

Volunteerism – What is the purpose?

Hey guys,

Today I had an experience which just got me thinking… Please don’t judge me to harshly on this blog entry because I am writing this with a lot of emotions and these are thoughts I probably haven’t thought out enough. Still I was to share this with you!

The way my program works is the following:

We go to a country. There we work with a host organization. This host partner organizes home stays, our project  and some day trips. TBB provides the critical reflection we do in seminars on the things we experience.

In India, the country I am currently in, our host partner has a different perception of volunteering than the one TBB has. TBB sees us “volunteers” more like students (regardless of our vocation as a teacher right now). We are here to live with a host community and learn from them. And even further we are not just here to observe, we are are here to experience. Our host organization sees volunteers as young foreigners who come into a country who want to help (because that makes them feel good about themselves) and to learn something about the culture in that country. I am not complaining about my host situation, but my host family does not represent the average Indian family and it even less represents the families of the kids I teach. Our host organizations way of showing us their culture is visiting a slum for a day looking into peoples “houses” and playing with the kids for 30 minutes. Do I know now how people in slums live? 4 months ago I might have said “yes”. But I lived with a family who didn’t have running water and therefore a real sink, shower or bathroom. They had enough food but they had barely any furniture. When I first saw my new home in Ecuador I could not imagine ever living comfortably in that house. Lucky me, I did. I’ve found that it’s hard to know what something is like until you experience it, as simple as that sounds. Even though I don’t know everything about life in Ecuador, I at least had a glimpse of it whereas here in India, I find that I have an even smaller insight into every day life.

For example, today we went to the “Elephant Village”, a small community that is financially supported by the Indian government. The people who live there care for the elephants who carry tourists day by day up to the tourist attraction Amber Fort. There is so much wrong with this set up. First of all an elephants spirit has to be brutally broken before it can be ridden. Second the people there live in low income housing (how do I say this without pitying them?). Third, the government doesn’t fund the village out of good intentions, but instead to bring in more tourism and therefore more profit for the state. And fourth, people (tourists and “volunteers”) come to that village not just to look at the animals but also look at the people and the people’s houses. By simply walking into a strangers home, there was no connection with the family, no understanding of their life, no understanding of them as real people. We call this type of thing “Voluntourism” meaning that you give the illusion of volunteering and you get the feeling of doing good, but in actuality you’re just a tourist. I felt like going to a zoo but instead of looking at animals I looked at people. In what world is that okay? And how do people go there and not see this perspective? People and children are NOT tourist attractions!!!

So what is the purpose of volunteering? I’ve been asking myself that question for the last week. Since we go to our school in the morning, teach them in a “western education system style”  and then go home to our privileged host families and have no idea where and how our students live. What are we doing here? I can’t give a child a brighter future just by going into school and teaching english for a month and leaving again. How do the kids see me? Who am I for them? What role do I play in their life? To most of these questions I don’t have an answer. I know that when I come home I will be able to understand things much better and that this experience will help me to understand other people in a much different way, but how much can I understand if I am still just a volunteer living with those families for a month?  I am also sure that TBB’s way of volunteering is not perfect either, but at least in this program we try to critically think about our actions. I hope to find answers to all of these questions. With this blog entry I just wanted to share an important experience of mine and I want you to be aware of your actions. I know I can’t always do that either but I hope this a start…